Die Shoah und der 27. Januar

Die Gleise und das Torhaus des Lagers Auschwitz-Birkenau

Der 27. Januar steht weltweit für das Gedenken und das Erinnern an eines der schwersten Verbrechen gegen die Menschlichkeit. An diesem Tag jährt sich die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau zum 75. mal, was die Vereinten Nationen 2005 bewog, diesen besonderen Tag als "Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts" zu erklären.

Gleichwohl jeder politischen und medialen Beachtung nehmen antisemitische Übergriffe, auch in Brandenburg, wieder zu, werden Gedenkstätten als "Mahnmal der Schande" verhöhnt. Es stellt sich also die Frage, ob das Bewusstsein über dieses Kapitel noch in unserer Gesellschaft verankert ist, oder wie Max Czollek  es in seinem Werk "Desintegriert Euch! " beschreibt, nur noch reines Gedächtnistheater darstellt.

Dazu Dr. Michael Daxner, Co-Sprecher des Vorstands der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg:

Es gibt nicht mehr viele Menschen, die sich erinnern können oder wollen. Die Geschichte der Shoah ist für viele Vergangenheit geworden, oft schrecklich, oft unfassbar, oft auch nicht mehr so wichtig, jedenfalls vorbei. Dass sich diese Geschichte wiederholen könnte, denken die Wenigsten…Wie denn auch? Wir leben doch gesichert in einer Demokratie, wir sind aufgeklärt, jeder kann wissen, wie es dazu kam: Auschwitz.

Auschwitz steht für Shoah, was hat es mit Walter Lübke, mit Halle, mit Gaulands Vogelschiss zu tun? – Vorvergangenheit?

Es gibt viele Anzeichen dafür, dass sich die Zeiten schneller ändern können, als man denken möchte. Nicht nur die stärkste Oppositionspartei in unserem Parlament ist so ein Zeichen, auch Sprache, Geschichtsbewusstsein und Kleinmut vor der demokratischen Zukunft sind weich geworden. Wenn wir Filme wie Shoah sehen, dann wird nicht nur Geschichte aufgerufen, sondern auch Leiden, Bewusstsein, und Überleben.

„Wehret den Anfängen…“ ist immer zu spät. Zur Umkehr ist es nie zu spät.

 

Die Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg lädt an diesem Tag gemeinsam mit dem Angermünder Bürgerbündnis für eine gewaltfreie, tolerante und weltoffene Stadt zu einem Screening von Teilen des Dokumentarfilms "Shoah" von Claude Lanzmann ein. Zu Gast ist Dr. Juliane Wetzel, promovierte Historikerin und Mitarbeiterin am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin. Sie ist Mitglied des Zweiten Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus.

„Shoah“
Filmgespräch und Diskussion mit Dr. Juli
Datum: 27. Januar 2020
Beginn 18 Uhr
Ort: Ratssaal im Rathaus Angermünde, 16278 Angermünde

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